Show me your Plauze

Show me your Plauze

Show me your Plauze oder hoch das T-shirt.

 

Ich kann bei meiner Plauze nicht sagen, dass ich stolz bin, was mein Körper geleistet hat als Mutter von xx Kinder. Das mein Bauch so schön ist wie er ist, weil…

Nee, der ist so. Ich habe keine Kinder bekommen, mein Körper hat nichts großartiges geleistet und trotzdem habe ich diese Wampe. Mal mehr, mal weniger.

#plauzenwoche

 

So ähnlich habe ich im Juli 2019 eine #plauzenwoche aufgerufen.

Anlass dazu war ein Video eines Models, dass viral ging, die ihre Bauchfalte zeigte und für mehr Realität auf Instagram warb. Und da dachte ich mir, dass es nicht nur Models sein sollten, die sich in unvorteilhaften Posen zeigen, sondern vor allem Frauen wie Du und Ich in ganz normalen Posen.

Ich möchte das auch gar nicht beurteilen, ob Models ihre Bauchfalte zeigen dürfen oder nicht, ob das ein schlechtes Vorbild für die jungen Mädels ist oder ob das Krankheiten wie Magersucht oder Bulimie fördert. Vielleicht ist das eine ganz große Sache für Models, weil sie damit Aufträge riskieren, weil sie ihr perfektes Bild ablegen.

Magersucht und Bulimie haben multifaktorielle Ursachen

 

Und Magersucht und Bulimie sind viel komplexere Krankheiten als das es einige Bilder in der Werbung bedarf und schwups sind junge Mädchen krank: es gibt individuelle Faktoren, familiäre, soziokulturelle und biologische Faktoren, die in der Regel zusammenspielen. Sicher spielt das westlich geprägte Schönheitsideal dünn zu sein und perfekt zu sein eine Rolle, aber das allein reicht nicht aus.

Shoutouts: #mehrrealitätaufinstagram oder #bodypositivity werden immer mehr

 

Ich sehe immer mehr Frauen, die sich einsetzen ihren Körper ohne Filter, ohne Photoshop, nicht in der perfekten Pose zeigen und für #mehrrealitätaufinstagram plädieren. Grundsätzlich ist das ja total gut: Mut zum eigenen Körper zu haben und den so zu zeigen und anzunehmen wie er ist. Das ist gar keine Frage. Bodypositivity ist allen bekannt, aber leider bei wenigen angekommen. Was auch nicht einfach ist, wenn wir tagtäglich von diesen wunderschönen Bildern mit wunderschönen Frauen überflutet werden.

Doch diese wunderschönen Frauen sind nicht echt. Cindy Crawford hat mal selber gesagt, dass sie gerne so sei, wie sie in Magazinen, auf Fotos, in Social Media. Da haben wir es ja: Selbst diese hübschen Frauen sind nicht so. Das sind Momentaufnahmen, das sind Photos, die noch mal mit viel Technik und Know-How bearbeitet werden.

Jede von uns hat gute und schlechte Tage, findet sich mal hübsch, mal weniger. Nach dem Aufstehen sieht keine gut aus – natürlich gut, ja, aber nicht „gut“ wie in den Magazinen suggeriert wird. Dafür Bedarf es stundenlanges Make-Up, Haare werden von Stylisten geföhnt, gelegt, gefärbt. Die schönsten Mädchen und Models verbringen auch vor Shootings noch stundenlang in der Maske und dann erst wird dieser perfekte Moment auf´s Bild gebannt. Für die Ewigkeit, für uns alle.

Die Industrie nutzt das. Sie verkaufen uns dann für unser Problem die perfekte Lösung und wir sitzen dann, so normal wie wir sind, vor den Bildschirmen und fragen uns: Warum sehe ich nicht so aus? Warum habe ich nicht dies oder das wie diese wunderschöne Frau?

Der Begriff Schönheit ist abstrakt

 

Schönheit ist grundsätzlich eine Wertung, eine Bewertung und abstrakt. Es ist das Gegenteil von hässlich. Aber was genau ist schön, was ist hässlich? Diese Begriffe sind nicht nur von Kultur zu Kultur unterschiedlich, sie werden von jedem einzelnen Menschen anders begriffen. Was mein nebenan schön findet, finde ich nicht unbedingt auch schön. Genauso verhält sich das mit hässlich.

Diese Diskussionen hast Du sicher schon mal erlebt, dass Du dich mit jemandem gestritten hast, ob das schön ist oder nicht? Du kannst auch noch mal einen Versuch starten: Suche Dir doch einfach ein Bild einer tollen Frau aus, die Du toll, hübsch, schön findest. Und zeige dieses Bild mal anderen und frage sie nach ihrer Meinung. Du wirst sehen, das kann Abende füllen!

Meine #plauzenchallenge auf Instagram hat mich dazu bewegt, weil wir echte Bilder brauchen. Jeder sollte mitmachen und ein Foto seines Bauches zeigen – egal welche Figur man hat. Es ging darum unterschiedlichste Bäuche zu sehen. Einige haben mitgemacht, das war schön, das war sogar ganz schön mutig, denn viele empfanden das als auch als Übertritt in ihre Intimsphäre. Ihren Bauch wollten sie nicht zeigen, das sei privat.

Es gab auch Rückmeldungen, dass man sich schämt, weil man gerade unzufrieden sei mit sich, mit seinem Körper, mit seinem Bauch. Scham ist ein ganz spezielles Gefühl. Scham ist grundsätzlich nicht falsch. Scham empfindet man, wenn man glaubt nicht in die Norm zu passen, wenn etwas passiert, man etwas macht, was von den anderen in der Gesellschaft als nicht akzeptabel gilt. Das Thema ist ebenfalls spannend und deshalb habe ich eine #schamwoche ausgerufen, um diesem Gefühl mal mehr Platz zu geben.

Es ist ein Teufelskreis den es zu durchbrechen gilt

 

Im Kontext der #bauchchallende ist die Scham ein ein Gefühl nicht den Schönheitsstandards unserer westlichen Gesellschaft zu genügen. Und da schließt sich der Kreis:

Es wird uns ein Schönheitsbild über die Medien vorgegeben, wir entsprechen diesem nicht, weil es unrealistisch ist, wie ich eben aufgeführt habe. Wir schämen uns unserer selbst, unserem Körper, verstecken uns, lassen den gängigen Schönheitsbildern den Vortritt und dadurch wird weiterhin dieses Standardschönheitsbild verstärkt.

 

Deswegen der Aufruf auf Instagram, dass Jungs (sic!) und Mädels ihre Bäuche zeigen sollen. Quasi, der Bauch von nebenan, um diesem beschriebenen Teufelskreis zu durchbrechen.

Auch das ist Bodyshaming

 

Ich bekam aber auch negative Kommentare und Nachrichten: das ich mich mit dem Thema nur auseinandersetzen dürfe, wenn ich 20 kg mehr auf den Rippen hätte, hat mir jemand geschrieben. Das ist genau der Punkt. Es gilt grundsätzlich Menschen nicht nach ihrem Körper zu beurteilen. Auch das ist Bodyshaming.

Oder wenn jemand schreibt, dass Plauze grundsätzlich ein negativ konnotierter Begriff sei. Wir geben den Dingen eine Bedeutung, wir besetzen diese mit Wertungen. Es gibt Kulturen wo dicke runde Bäuche ein Zeichen von Wohlstand ist. Ich habe mal asiatische Jungs getroffen, die erzählt haben, dass sie „Muffin-Tops“ großartig finden und asiatische Mädchen doch viel zu dünn und „gerade“ seien.

 

Ich fasse also noch mal zusammen:

  1. Models brauchen unwahrscheinlich viel Zeit, eine Entourage an Menschen, die sie so herrichten und das Foto ist dann nur eine Momentaufnahme.
  2. Wenn wir den Medien den Vortritt lassen das Schönheitsbild zu generieren und uns vorgeben wie wir auszusehen haben, wird sich daran nichts ändern.
  3. Sei mutig und zeig Dich so wie Du bist, nimm´ Dich und Deinen Körper an so wie er ist.
  4. Jegliche Kritik und Bewertung eines Körpers ist Bodyshaming und geht gar nicht.
  5. Schönheit ist ein abstrakter Begriff, individuell und kulturabhängig.
  6. Muffin-Tops werden auch als schön empfunden

 

Einige der Bäuche kannst Du dir nun in der Galerie anschauen und schau Dir in meiner gespeicherten Story auf Instagram noch mal alles an

 

 

P.S. Über neue Bauchbilder freue ich mich immer 🙂