Methodenkoffer #1: Schizophrenie und Kunsttherapie

Methodenkoffer Kunsttherapie Schizophrenie

Methodenkoffer #1: Schizophrenie und Kunsttherapie

Diesen Methodenkoffer rufe ich ins Leben, weil ich immer wieder gefragt werde, ob ich Tipps zur Arbeit mit Klienten xy habe. Mitte Mai durfte ich auf den Instagram Kanal vom WDR @bessor_so zum Theme Kunsttherapie und Schizophrenie sprechen. Deshalb starte ich doch direkt mit dem Thema:Methodenkoffer Schizophrenie kunsttherapie

Schizophrenie wird oft mit der Spaltung der Persönlichkeit verwechselt, also dass diese Menschen mehrere Persönlichkeiten in sich tragen. Das ist nicht so! Sie zeigt sich in vielen unterschiedlichen Formen und kündig sich meist auch sehr unspezifisch an.

In der Schizophrenie geschieht eine Spaltung zwischen der eigenen Wahrnehmung und der Realität.

 

Es treten also Symptome wie Wahrnehmungsverschiebung auf (zum Beispiel haben Menschen dann das Gefühl, dass alle über sie lachen oder flüstern), bis hin zu Wahn, Halluzinationen, Denk- und Ich-Störungen, Störungen der Affektivität und Störungen der Psychomotorik. Diese Symptome können aber auch auf eine andere Erkrankung hinweisen, deshalb ist eine psychiatrische Diagnose immer wichtig.

Die Wahrscheinlichkeit an einer Schizophrenie zu erkranken liegt bei 1%, sowohl bei Männern als auch bei Frauen, und sie tritt zum ersten Mal eher in jungen Jahren auf.

Die Ursachen sind multifaktoriell,

 

d.h. es gibt mehrere Auslöser. Allerdings geht die Medizin mittlerweile stark von einer genetischen Disposition – also einer familiären Veranlagung – aus und eben von einer Mischung aus individuellen und umweltspezifischen Faktoren.Methodenkoffer Schizophrenie kunsttherapie

Eine Schizophrenie zeigt entweder eine Negativsymptomatik oder eine Positivsymptomatik. Das ist aber nicht wertend gemeint, sondern zeigt die Erkrankung mit verschiedenen Symptomen: Eine Negativsymptomatik äußert sich indem sich Klienten eher als still, apathisch, antriebs- und affektarm zeigen. Klienten mit einer Positivsymptomatik zeigen eher ein bizarres Verhalten mit Wahn und Halluzinationen, formalen Denkstörungen und sind eher chaotisch und psychotisch.

KlientInnen mit einer Schizophrenie haben oft mit Identitätsproblemen zu kämpfen und besitzen oft ein schlechtes Selbstbild, was sich wiederum auf ihre zwischenmenschlichen Beziehungen und die Reaktion auf Konflikte auswirkt.

 

Schizophrenie ist grundsätzlich nicht heilbar. Wenn also im weiteren über Heilungsprozess und Genesung gesprochen wird, dann ist damit gemeint, akute Phasen wieder abklingen zu lassen. Betroffene sollten lernen die Krankheit gut zu kennen, Phasen frühzeitig wahrzunehmen und mit entsprechenden Gegenmaßnahmen zu lindern. Es gibt verschiedene und vor allem individuelle  Möglichkeiten damit umzugehen.Methodenkoffer Schizophrenie kunsttherapie

Wichtig ist zunächst, dass die KlientInnen medikamentös und psychotherapeutisch behandelt werden. Darüber hinaus hilft Psychoedukation, d.h. Erkrankte, und auch Angehörige beschäftigen sich mit der Erkrankung, lernen sie kennen und können diese so besser verstehen. Das unterstützt langfristig den Heilungsprozess  und hilft dabei erneute Phasen frühzeitig zu erkennen. Kunsttherapie kann begleitend eingesetzt werden und muss individuell mit den KlientInnen und den behandelnden ÄrztInnen sowie PsychotherapeutInnen abgesprochen werden.

Wie Kunsttherapie bei Schizophrenie helfen kann

Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, haben oft ein hohes Kreativitätspotential. Dies kann für die Genesung genutzt werden. Günstig ist eine non-direktive Arbeit, so dass sie sich intuitiv kreativ und aus dem Inneren heraus mit sich und ihrer Situation beschäftigen können. Das kreative Arbeiten setzt Selbstheilungskräfte frei.

Des Weiteren können Klientinnen sich durch das kreative Ausleben von den eigenen Wahninhalten und Halluzinationen distanzieren und diese künstlerisch ausdrücken. In der Kunsttherapie kann selbstregulierend gearbeitet werden, das Ich integriert werden und die Persönlichkeit stabilisiert werden.  Kunsttherapie ist für viele KlientInnen von Vorteil, da sie einen verbalen Fokus auf die Therapie umgehen und stattdessen die therapeutische Aufmerksamkeit auf emotionale Erfahrungen und Ausdrucksformen gelenkt werden kann.

So entfällt die Notwendigkeit, sich auf die Kommunikation zwischen TherapeutIn und KlientIn zu verlassen.Methodenkoffer Schizophrenie kunsttherapie

KunstherapeutInnen können die KlientInnen unterstützen, indem sie Sie bei intuitiven und non-direktiven Prozessen begleiten und einen  Raum der Sicherheit bieten. Kunsttherapie bietet den Platz für einen emotionalen Ausdruck ohne diese zu verbalisieren und zu intellektualisieren – für einen tieferen, emotionalen Zugang zu sich selbst.

Wichtig ist, das die Kunst der Klientinnen nicht zu diagnostischen Zwecken genutzt wird und nicht ohne Einverständnis der Klienten an behandelnde ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen weitergegeben werden.

Methodenkoffer #1: Gefühle erkunden mit Aquarelle

 

Im folgenden Stelle ich eine Methode vor, die im professionellen Kontext den Einstieg erleichtern kann:

 

Diese Methode soll den KlientInnen helfen, Emotionen und die allgemeine Stimmungslage zu stabilisieren. Sobald KlientInnen ihre Stimmung stabilisieren konnten, können Aspekte des Identitätsgefühls behandelt werden.

KlientInnen erfahren:

  • Ich Stabilisierung
  • Ausdruck und Erleben von Gefühlen
  • Distanzierung von Erkrankung insbesondere von Wahninhalten und Halluzinationen
  • Beruhigung

Die Verwendung von Aquarellen und den fließenden und flüssigen Farben als Kunstmaterial kann als Metapher dienen, dass auch Emotionen flüchtig und fließend sind.

Diese Methode ist eine Erkundungsübung, die KlientInnen helfen kann, ein psychologisches Verständnis von Emotionen zu erforschen und eine beruhigende Erfahrung im Umgang mit Aquarellen und den fließenden Farben zu bieten.

Wenn KlientInnen zuvor noch keine Aquarelle verwendet haben und sich unsicher fühlen, erläutere, wie Aquarelle für die Arbeit mit Wasser ausgelegt sind und wie sich unterschiedliche Wassermengen auf die Reaktion des Pigments auswirken können. (Alternativ kann Acryl oder Gouache mit viel Wasser verwendet werden).

 

  1. KlientInnen beginnen im ersten  Schritt mit viel Wasser und bringen Farbe auf das Papier.
  2. Im zweiten Schritt sollen sie Zeit haben, um mit Wasser und Farbe zu spielen und sich mit dem was -auf dem Blatt passiert- auseinandersetzen dürfen
  3. Im Weiteren dürfen KlientInnen das Bild entwickeln wie es ihnen ihre Gefühle erlauben. KlientInnen können angeregt werden während des Malprozesses über die aufkommenden Emotionen nachzudenken. Ebenso kann über die Wechselwirkung zwischen Wasser und Farbe reflektiert werden. Bei Bedarf Reflexionsprozesse anregen.

 

Ich habe den Artikel für dich in einem Handout zusammengefasst, dass hier zum Download bereit steht:

👉🏼 #1 Methodenkoffer: Kunsttherapie und Schizophrenie

 

Zum Abschluss habe ich noch Materialempfehlungen zum kunsttherapeutischen Arbeiten zusammengestellt:

👉🏼 Materialempfehlung für Kunsttherapeutisches Arbeiten

 

Gerne kannst Du dich bei Fragen oder Feedback auch an mich wenden, schreib mir doch eine Nachricht

 

 

Haftungsausschuss

Jede psychische Erkrankung muss von einem/r FacharztIn und / oder PsychotherapeutIn diagnostiziert, behandelt und begleitet werden. In individuellen Fällen kann es Sinn machen mit weiteren Therapien zu ergänzen bspw. Ergo- und Physiotherapie, Osteopathie, Ernährungsberatung, Musik- oder Kunsttherapie, uvw.

Bitte sehen Sie dringend davon ab sich mit diesen Methoden selbst zu behandeln. Haben Sie das Gefühl , dass es Ihnen nicht gut geht, wenden Sie sich an eine Vertrauensperson und / oder an den / die HausärztIn.

Auch folgende Nummern können Ihnen im Notfall helfen:

  1. ärztlichen (psychiatrischen) Bereitschaftsdienst (bundesweite Tel.: 116 117),
  2. Telefonseelsorge www.telefonseelsorge.de anonyme, kostenlose Beratung zu jeder Tages- und
    Nachtzeit unter den bundesweiten Telefonnummern 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222
  3. Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ www.nummergegenkummer.de
    kostenlose Beratung von Mo bis Fr 15.00 bis 19.00 Uhr unter der bundesweiten Telefonnummer: 0800 – 111 0 333

Die vorgestellte Methode kann als Leitfaden eingesetzt werden und im professionellen Kontext individuell für die eigenen Arbeitszwecke erweitert und ergänzt werden und dient als Anregung für das eigene Arbeiten.

Die Verantwortung für die Behandlung liegt bei/m der einzelnen TherapeutenIn, der / die die spezifischen Bedürfnisse seiner Klienten versteht. Diese Methode zum Einsatz in Kunsttherapie sollte nicht als vordefinierte Richtlinie zur Behandlung eines Klienten angesehen werden und angewendet werden. Es nimmt Ihnen nicht die Verantwortung in ihrem eignen therapeutischen, begleitenden und / oder supervisorischen Kontext für Ihre Klienten.