20 Juli Kunsttherapie trifft ACT: Ein präventiver Ansatz für Geflüchtete
Kunsttherapie und Flucht
Kunsttherapie trifft auf Fluchterfahrung: Kreative Stabilisierung in unsicheren Zeiten
Kunsttherapie für Geflüchtete ist mehr als ein therapeutisches Angebot – sie ist eine Antwort auf ein drängendes gesellschaftliches Problem: Menschen auf der Flucht erleben Unsicherheit, Verlust und Überforderung. Auch nach ihrer Ankunft bleiben viele in einem Zustand ständiger Belastung. Hier setzt unser Modellprojekt zur präventiven psychischen Gesundheitsversorgung an.
In Gruppen, angeleitet durch qualifizierte Kunsttherapeut:innen, erhalten geflüchtete Erwachsene Raum für kreativen Ausdruck, Achtsamkeit und Gemeinschaft. Wissenschaftlich begleitet und kombiniert mit der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), entsteht ein innovativer Weg, um psychische Stabilität, Integration und Selbstwirksamkeit zu fördern – kultursensibel, niedrigschwellig und partizipativ.
Kunsttherapie trifft Wissenschaft – und die Realität von Flucht, Stress und Integration
Krisen, Kriege und Verfolgung prägen unsere Gegenwart. Menschen fliehen aus der Ukraine, aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und vielen weiteren Ländern – auf der Suche nach Schutz, Sicherheit und einer Perspektive. Doch auch nach ihrer Ankunft in Deutschland bleibt das Ankommen für viele schwierig: Unsicherheiten im Asylverfahren, beengte Wohnverhältnisse, Sprachbarrieren, traumatische Erfahrungen, Isolation und eine unsichere Zukunft erschweren die Integration. Viele Geflüchtete sind psychisch stark belastet – ohne Zugang zu passenden, kultursensiblen, alltagsnahen Unterstützungsangeboten.
Genau hier setzt das wissenschaftlich begleitete Modellprojekt an: ein kunsttherapeutisches Gruppenangebot für erwachsene Geflüchtete, kombiniert mit Elementen der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Ziel ist es, psychische Stabilität, kreative Ausdrucksmöglichkeiten und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern – niederschwellig, präventiv und auf Augenhöhe. Kunsttherapie und Flucht
Die Dissertation: Forschung mit Relevanz
Das Projekt ist eingebettet in eine Dissertation an der medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Als promovierende Kunsttherapeutin und Soziologin untersuche ich (Christina Vedar), wie kunsttherapeutische Gruppenangebote in Kombination mit ACT das psychische Wohlbefinden geflüchteter Erwachsener verbessern können. Im Fokus stehen Belastungssymptome wie Stress, Angst, depressive Verstimmungen zu senken sowie Aspekte von Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit und Integration zu fördern.
Zielgruppe der Forschung
Die Gruppen richten sich nicht nur an Personen mit klinisch diagnostizierten Traumafolgestörungen – sondern bewusst an alle geflüchteten Erwachsenen, die sich nach ihrer Flucht psychisch belastet fühlen. Dazu zählen insbesondere Eltern, junge Erwachsene, Alleinreisende oder Menschen in Übergangssituationen. Das Angebot soll präventiv wirken, emotionale Stabilisierung fördern und soziale Isolation verringern.
Warum Kunsttherapie und ACT?
Kunsttherapie bietet eine nonverbale Ausdrucksmöglichkeit, die besonders dann wichtig ist, wenn Sprache allein nicht ausreicht oder gar eine Barriere darstellt. In Kombination mit der ACT – einer achtsamkeitsbasierten Verhaltenstherapie, die emotionale Akzeptanz, Wertearbeit und Selbstwirksamkeit fördert – entsteht ein kraftvoller, niedrigschwelliger Zugang. Kunsttherapie und Flucht
Diese Kombination ermöglicht:
- die kreative Verarbeitung von Belastungen
- die Förderung von Selbstakzeptanz und Hoffnung
- die Entfaltung innerer Ressourcen
- ein neues Erleben von Gemeinschaft und Zugehörigkeit
Die therapeutischen Gruppen werden dabei von Kunsttherapeut:innen umgesetzt und in einem festen Rahmen von zehn Wochen durchgeführt.
Projektpartner:innen und wissenschaftliche Begleitung
Das Modellprojekt wird in Kooperation mit dem Zentrum für Künstlerische Therapien (ZFKT) an der Universitätsmedizin Essen sowie der Stiftung Universitätsmedizin Essen realisiert. Das ZFKT bündelt seit Jahren künstlerische Therapieformen wie Kunst-, Musik- und Kreativtherapie im klinischen Kontext – und engagiert sich nun auch im Bereich präventiver Versorgung. Das Projekt wird fachlich und wissenschaftlich begleitet, evaluiert und das Ziel ist es nachhaltig zu etablieren.
Darüber arbeiten wir mit Einrichtungen aus dem Sozial- und Flüchtlingsbereich in Essen, Köln/Bonn und Aachen zusammen – den drei Standorten, an denen das Projekt umgesetzt wird.
Das Manual: Qualität sichern, Wissen weitergeben, Wirksamkeit verstärken
Ein zentrales Element des Modellprojekts ist die Entwicklung eines umfassenden Manuals, das die kunsttherapeutischen und ACT-basierten Interventionen systematisch dokumentiert. Es dient nicht nur der Qualitätssicherung und fachlichen Konsistenz, sondern auch der Schulung neuer Fachkräfte sowie der Übertragbarkeit auf andere Kontexte und Träger.
Kunsttherapie und Flucht
Stellenangebote: Kunsttherapie mit Haltung
Zur Umsetzung des Projekts werden derzeit qualifizierte Kunsttherapeut:innen (Honorarbasis) gesucht, die im Herbst 2025 Gruppen á zehn Wochen in Essen, Köln/Bonn oder Aachen tätig werden möchten. Voraussetzung ist eine qualifizierte Ausbildung, Erfahrung im Bereich Trauma und Migration und auch Offenheit, Kultursensibilität und Freude an Gruppenprozessen sind zentral.
Parallel dazu werden auch Praktikumsplätze für Studierende der Kunsttherapie angeboten, die im Rahmen ihres Studiums ein Pflichtpraktikum absolvieren. Sie bieten eine einmalige Chance zur Mitarbeit in einem innovativen, gesellschaftlich relevanten Projekt.
👉 Die aktuellen Ausschreibungen findest du hier:
Stellenausschreibung Kunsttherapie Honorarbasis
Praktikumsausschreibung Kunsttherapie Gefluechtete
Evaluation und Wirkung
Die Wirkung des Angebots wird mit einem Mixed-Methods-Ansatz untersucht – also durch quantitative (z. B. standardisierte Fragebögen wie WHO-5, PHQ-9, AAQ-II) und qualitative Verfahren (Interviews, Gruppenauswertungen). Dabei geht es nicht nur um individuelle Veränderungen, uns bewegen auch gesellschaftliche Fragen:
- Wie kann psychosoziale Teilhabe gelingen?
- Wie lässt sich Kunsttherapie als präventive Maßnahme systemisch verankern?
- Welche Strukturen braucht es, um kunsttherapeutische Angebote langfristig in der Gesundheitsversorgung zu etablieren – auch jenseits der Klinik?
- Wie kann Kunsttherapie zur Versorgungsgerechtigkeit beitragen – insbesondere für marginalisierte Gruppen wie Geflüchtete?
- Welche politischen, wissenschaftlichen und institutionellen Allianzen braucht es, um Kunsttherapie zukunftsfähig und wirksam zu machen?
Diese Fragen begleiten unser Modellprojekt ebenso wie die Forschung – mit dem Ziel, nachhaltige Antworten für eine präventive, diversitätssensible und kreative Gesundheitsversorgung zu entwickeln.
Warum wir Spenden brauchen – und was sie bewirken
Das Projekt wird nicht durch staatliche Regelfinanzierung getragen. Um es dennoch umzusetzen, sind wir auf Spenden für die konkrete Umsetzung angewiesen. Jede einzelne kunsttherapeutische Gruppe kostet rund 1.100 € – das umfasst das Honorar für die/den Kunsttherapeut:in sowie Materialkosten. Für jede Spende, die diesen Betrag erreicht, kann eine weitere Gruppe realisiert werden. Die Mittel fließen direkt in die Arbeit mit den Menschen – in Fachkräfte und Materialien. Kunsttherapie und Flucht
Wir haben dafür eine Spendenseite auf Betterplace eingerichtet, über die unkompliziert online gespendet werden kann. Auch regelmäßige kleine Beträge helfen uns, das Angebot dauerhaft aufrechtzuerhalten.
👉 Jetzt spenden über Betterplace
Deine Spende bewirkt konkret:
- kreative Räume für Menschen, die gerade alles verloren haben
- psychische Stabilisierung durch Gemeinschaft, Ausdruck und Achtsamkeit
- einen Beitrag zu Integration, Prävention und gesellschaftlicher Teilhabe
Gesellschaftliche Relevanz und politische Dimension Kunsttherapie und Flucht
Das Projekt versteht sich nicht nur als therapeutisches Angebot – sondern als gesellschaftlicher Beitrag. Es leistet Prävention statt Pathologisierung, Integration statt Isolation, Teilhabe statt Stigmatisierung. Gerade in einer Zeit, in der psychische Gesundheit und soziale Spaltung zentrale Themen sind, braucht es mutige, kreative und niedrigschwellige Ansätze.
Zugleich steht das Projekt auch für eine kritische Perspektive auf Versorgungslücken im deutschen Gesundheitssystem – insbesondere für Menschen ohne sicheren Aufenthalt oder mit unsicherem Aufenthaltsstatus.
Wir brauchen Dich!
- Spenden: Unterstütze das Projekt direkt über unsere Betterplace-Seite.
- Teilen: Erzähle anderen davon – in deinem Netzwerk, auf Social Media, in deinem beruflichen Umfeld, Freunden und Familie. Gutes Tun, indem man über Gutes redet! 🙂
- Mitwirken: Du bist Kunsttherapeut:in oder Studierende:r? Schau dir unsere Stellenanzeigen an und werde Teil des Teams!
- Einladen: Du arbeitest in einer Einrichtung mit Geflüchteten und möchtest eine Gruppe bei dir anbieten? Melde dich bei uns!
Kunsttherapie und Fluch
Dieses Projekt steht für eine neue Form präventiver, partizipativer, künstlerischer Gesundheitsversorgung. Es verbindet Kunst, Therapie, Wissenschaft und Engagement – und macht Mut. Für ein gutes Ankommen, für innere Sicherheit in unsicheren Zeiten.
Mit deiner Unterstützung können wir kreative Räume schaffen, die verbinden, stabilisieren und stärken – für Menschen, die sie dringend brauchen.
Kunsttherapie und Flucht
Autorin: Christina Vedar, M.A.; Soziologin und Kunsttherapeutin mit eigenem Atelier in Aachen, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Alanus Hochschule in Alfter
Du hast Fragen, möchtest mit uns zusammenarbeiten, das Projekt teilen oder dich bewerben? Dann schreib eine Mail an christina.vedar@stud.uni-due.de