Kongress für Psychosomatik Berlin 2026

Kongress für Psychosomatik Berlin 2026

Künstlerische Therapien  Kunsttherapie Kongress Vernetzung

Kunsttherapie, Musiktherapie, Tanztherapie und Theatertherapie in der medizinischen Versorgung – ein Bericht vom Fachkongress in Berlin

Letzte Woche war ich beim Kongress für Psychosomatik in Berlin – und ich bin mit vielen neuen Eindrücken, Begegnungen und Ideen zurückgekehrt. Als Kunsttherapeutin und Forscherin im Bereich ACT-basierter Kunsttherapie war dieser Kongress für mich weit mehr als eine wissenschaftliche Veranstaltung. Er war eine Erinnerung daran, warum dieses Feld so wichtig ist – und wohin es sich noch entwickeln kann.

Künstlerische Therapien  Kunsttherapie Kongress Vernetzung

Was sind Künstlerische Therapien – und warum sind sie relevant?

Künstlerische Therapien umfassen Kunsttherapie, Musiktherapie, Tanztherapie und Theatertherapie. Sie unterscheiden sich von anderen therapeutischen Ansätzen dadurch, dass ein künstlerisches Medium – Bild, Klang, Bewegung oder Sprache – in den therapeutischen Prozess integriert wird.

In den letzten Jahrzehnten wurden diese nicht-pharmakologischen Ansätze zunehmend in der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung eingesetzt und erforscht. Sie ermöglichen Menschen einen Zugang zu eigenen Themen dort, wo verbale Kommunikation an ihre Grenzen stößt – und das mit wachsender Evidenzbasis.

 

ACCEPT ART – mein Vortrag beim Kongress für Psychosomatik

Ich durfte im Rahmen des Symposiums 58 meinen Vortrag über das Projekt ACCEPT ART präsentieren. Das Projekt untersucht, wie ACT-basierte Kunsttherapie – die Verbindung von Acceptance and Commitment Therapy (ACT) mit künstlerischem Ausdruck – zur Stärkung und Traumaprävention eingesetzt werden kann. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Arbeit mit Geflüchteten, für die niedrigschwellige, nicht-sprachliche Zugänge besonders bedeutsam sind.

Auf einer Fachbühne zu stehen und zu erleben, wie diese Arbeit auf Resonanz trifft, bleibt jedes Mal ein besonderer Moment. Mehr zum Projekt: ACCEPT ART

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Symposium 58 – Künstlerische Therapien in der medizinischen Versorgung

Das Symposium bot einen umfassenden Überblick über aktuelle Forschungsprojekte und klinische Anwendungen künstlerischer Therapien. Vier Beiträge haben mich besonders beeindruckt:

Theatertherapie in der onkologischen Nachsorge bei Brustkrebspatientinnen

Katrin Röhlig stellte ihre Forschung zur Theatertherapie zur Förderung von Wohlbefinden und Resilienz in der onkologischen Versorgung vor. Der Ansatz zeigt, wie tiefgreifend künstlerische Therapien in der Nachsorge wirken können – jenseits des rein Medizinischen. Mehr dazu: Theatertherapie am ZFKT

Musiktherapie bei Frühgeborenen – live vs. aufgenommen

Ewa Derdowska präsentierte eine Studie zum Vergleich live gespielter und aufgenommener Sansula-Klänge in der Musiktherapie bei Frühgeborenen. Im Fokus standen Stabilisierung, Entspannung und die Stärkung der Eltern-Kind-Bindung – eine Forschungsarbeit, die zeigt, wie sehr die Qualität der therapeutischen Intervention zählt.

Klangkunst – Musik- und Kunsttherapie bei Schwangerschaftskomplikationen

Petra Saltuari stellte das Projekt Klangkunst vor, das Musik- und Kunsttherapie für Frauen mit Risikoschwangerschaften und Schwangerschaftskomplikationen verbindet. Ein innovativer Ansatz, der Menschen in einer besonders vulnerablen Lebensphase begleitet. Mehr dazu: Klangkunst

Tanztherapie bei pädiatrischen Hirntumor-Patient*innen

Dilem Becerik berichtete über den Einsatz von Tanztherapie bei Kindern mit Hirntumoren – in einer methodisch differenzierten Mixed-Methods-Einzelfallstudie zu Selbstwirksamkeit und Resilienz. Eine Arbeit, die sowohl wissenschaftliche Sorgfalt als auch tiefe menschliche Zugewandtheit widerspiegelt.

Was alle Projekte eint: Sie schaffen therapeutische Zugänge dort, wo verbale Kommunikation nicht ausreicht – durch Körper, Bewegung, Klang und Bild. Und das mit zunehmend solider wissenschaftlicher Fundierung.

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Rassismuskritische Perspektiven in der Psychotherapie

Ein weiteres Symposium, das mich sehr beschäftigt hat, widmete sich rassismuskritischen Perspektiven in der Psychotherapie. Ich habe wertvolle Einblicke in laufende Projekte gewonnen und Kontakte geknüpft, die ich weiterführen möchte. Dieser Diskurs gehört dringend in den Mittelpunkt unserer Disziplin – und es ist ermutigend, ihm auf einem Fachkongress dieser Größe Raum zu geben.

 

Collage+ Workshop – therapeutisches Erleben aus der Innenperspektive

Besonders in Erinnerung bleibt mir der Workshop mit Constanze Schulze Stampa und Eva Börschlein zum Thema Collage+. Endlich wieder selbst gestalten – und die therapeutische Wirkung künstlerischer Prozesse von innen heraus erleben. Diese Erfahrung erinnert mich immer wieder daran, wie wichtig es ist, als Therapeutin und Forscherin den eigenen Zugang zum künstlerischen Ausdruck lebendig zu halten.

 

Was Fachkongresse wirklich ausmacht – die Begegnungen dazwischen

Die Vorträge und Workshops waren wertvoll. Was mich aber am nachhaltigsten bewegt hat, waren die Momente abseits des Programms.

Ein Abendessen mit Kolleginnen, bei dem aus einem lockeren Gespräch eine echte Projektidee entstand. Ein Kaffee in der Berliner Frühlingssonne, bei dem wir uns plötzlich mitten in einem Thema wiederfanden, das uns alle beschäftigt. Ein Gespräch in der U-Bahn, das sich anfühlte wie der Beginn von etwas Neuem.

Genau in diesen ungeplanten Momenten entstehen oft die mutigsten Gedanken und nachhaltigsten Verbindungen. Und genau diesen Ideen werde ich mich in den kommenden Wochen widmen.

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Fazit: Künstlerische Therapien – ein Feld mit Zukunft

Der Kongress für Psychosomatik 2026 hat mir einmal mehr gezeigt: Künstlerische Therapien sind kein Randthema der Medizin. Sie sind ein wissenschaftlich fundiertes, klinisch relevantes und menschlich unverzichtbares Feld – mit wachsender Sichtbarkeit und wachsendem Einfluss.

Herzlicher Dank gilt Susann Kobus und Cinzia Rosati für die Moderation des Symposiums sowie Petra Saltuari, Katrin Röhlig, Dilem Becerik und Ewa Derdowska für ihre inspirierenden Beiträge und Begegnungen. 🙏

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