
ACT-basierte Kunsttherapie in Aachen
Manchmal hilft es nicht, Gedanken zu verändern oder Gefühle wegzumachen. Manchmal hilft es, einen anderen Umgang mit ihnen zu finden – und von dort aus wieder neue Wege zu entdecken.
ACT-basierte Kunsttherapie verbindet einen wissenschaftlich fundierten Denkansatz mit dem, was kreatives Arbeiten einzigartig macht: direktes Erleben.
Was ist ACT — und was hat das mit Kunsttherapie zu tun?
ACT steht für Akzeptanz- und Commitment-Therapie: ein wissenschaftlich fundierter Ansatz, der einen anderen Ausgangspunkt wählt als viele klassische Methoden: nicht schwierige Gedanken und Gefühle wegmachen, sondern psychische Flexibilität aufbauen. Also die Fähigkeit, auch mit schwierigen Erfahrungen handlungsfähig zu bleiben und ein Leben zu führen, das den eigenen Werten entspricht.
Mit ACT im Kontext von Kunst, Trauma und Flucht beschäftige ich mich auch wissenschaftlich: Als Doktorandin (Dr. rer. medic.) an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen forsche ich zu ACT-basierter Kunsttherapie. Mehr dazu können Sie auf meiner Über mich-Seite lesen.
In meiner kunsttherapeutischen Arbeit werden die Haltungen der ACT. Akzeptanz, Wertorientierung, Präsenz. Es ist mehr als ein Gespräch über Konzepte. Sie lassen sich im kreativen Prozess direkt erfahren. Das Bild ist selbst ein Erkenntnisprozess.
„Es geht nicht darum, sich besser zu fühlen. Es geht darum, besser mit dem umgehen zu können, was man fühlt und dabei wieder in Kontakt mit dem zu kommen, was einem wirklich wichtig ist."
Das Hexaflex: sechs Prozesse, ein Ziel
ACT arbeitet mit einem Modell aus sechs miteinander verbundenen Prozessen: dem sogenannten Hexaflex. Sie greifen ineinander, keiner steht für sich allein. Gemeinsam beschreiben sie, was ACT psychische Flexibilität nennt: auch in schwierigen Momenten handlungsfähig zu bleiben und sich an dem zu orientieren, was wirklich wichtig ist.
In der Kunsttherapie setzen wir diese Prozesse kreativ um und erfahren sie unmittelbar im Umgang mit dem Material, im Entstehungsprozess, im Bild selbst.

Akzeptanz
Schwierige Gedanken und Gefühle zulassen, statt gegen sie anzukämpfen, weil der Widerstand oft mehr kostet als die Erfahrung selbst.
Das Bild darf misslingen. Der Pinselstrich darf unbequem sein. Akzeptanz beginnt im Kleinen.
Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment
Aufmerksamkeit bewusst auf das Jetzt richten und als Haltung entwickeln. Aus dem Grübeln über Vergangenheit und Zukunft heraustreten und wahrnehmen, was gerade ist.
Malen, Formen, Gestalten verlangt Gegenwart. Die Hand ist immer im Jetzt und nimmt den Kopf mit.
Werte
Werte sind keine Ziele, die man erreicht. Sie sind Richtungen, nach denen man sich orientiert. Sie geben Handlungen Bedeutung, auch wenn Umstände schwierig bleiben.
Was möchte ich ausdrücken? Was ist mir wichtig dabei? Wertearbeit beginnt mit wichtigen Fragen und wo Worte noch fehlen geben Bilder die Antworten.
Kognitive Defusion
Gedanken sind keine Fakten. Defusion bedeutet: Abstand gewinnen von automatischen Bewertungen und inneren Geschichten. Sie als das wahrnehmen, was sie sind: Gedanken, nicht Wahrheiten.
Eine Form auf Papier ist nicht „falsch" . Sie ist eine Form. Das Bild lehrt Defusion oft schnell und unmittelbar.
Das beobachtende Selbst
Es gibt einen Teil von uns, der wahrnimmt ohne zu urteilen, ohne zu verschmelzen. ACT nennt dies das „beobachtende Selbst": stabiler Hintergrund, der bleibt, egal welche Gedanken oder Gefühle im Vordergrund stehen.
Das Bild betrachten, was entstanden ist und mit etwas Abstand. Wer hat das gemacht? Wer schaut gerade?
Engagiertes Handeln
Engagiertes Handeln bedeutet: konkrete Schritte in Richtung dessen, was wichtig ist.
Das erste Mal den Pinsel ansetzen, obwohl man nicht weiß, was entsteht, ist bereits ein Akt des engagierten Handelns.
Psychische Flexibilität als gemeinsames Ziel
Alle sechs Prozesse zusammen bauen das auf, was ACT als zentrales Ziel benennt: psychische Flexibilität. Nicht die Abwesenheit schwieriger Erfahrungen, sondern die Fähigkeit, mit ihnen präsent zu bleiben, ohne von ihnen bestimmt zu werden – und von dort aus ein Leben zu führen, das den eigenen Werten entspricht.
In der Kunsttherapie wird dieses Ziel nicht erklärt. Es wird erfahren.

„ACT-Prozesse lassen sich besprechen. Aber wenn sie im kreativen Tun erfahrbar werden, sozusagen in der Entscheidung: Die Wahl der Farbe, des Drucks der in den Ton abgegeben wird, welche Form entsteht, dann wird etwas verstanden, das nicht nur gedacht ist."

Forschungsprojekt
ACCEPT ART for Refugees
ACCEPT ART ist ein Forschungsprojekt, das ACT-basierte Kunsttherapie für Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund untersucht mit dem Fokus auf Traumaprävention und psychische Resilienz.
Das Projekt verbindet wissenschaftliche Fundierung mit gelebter Praxis und steht für das, wofür transkulturelle Kunsttherapie stehen kann: kreativ, forschend und politisch wach.
Kunsttherapie als Ergänzung
ACT-basierte Kunsttherapie kann eigenständig genutzt werden oder begleitend zu Psychotherapie, psychiatrischer Behandlung oder anderen Unterstützungsangeboten. Eine Abstimmung mit anderen Fachkräften ist mir wichtig und, mit Ihrer Zustimmung, selbstverständlich möglich.
Hinweis: Kunsttherapie ist ein eigenständiges Berufsfeld und kein Ersatz für Psychotherapie oder psychiatrische Behandlung. Bei akuten psychischen Erkrankungen, die eine medizinische Behandlung erfordern, bitte ich Sie, sich zunächst an eine Ärztin, einen Arzt oder eine approbierte Psychotherapeutin bzw. einen approbierten Psychotherapeuten zu wenden. Kunsttherapie ersetzt keine Psychotherapie oder ärztliche Behandlung.
Häufige Fragen
Was ist ACT-basierte Kunsttherapie?
Sie verbindet die Haltungen der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) mit kunsttherapeutischen Methoden. Prozesse wie Akzeptanz, Wertearbeit und kognitive Defusion werden dabei über kreative Medien unmittelbar erfahrbar – im Gestalten, nicht im Erklären.
Bieten Sie ACT oder Verhaltenstherapie als Psychotherapie an?
Nein. Ich bin Kunsttherapeutin (M.A.), keine approbierte Psychotherapeutin. Eine ACT- oder Verhaltenstherapie im psychotherapeutischen Sinne biete ich nicht an. Ich lasse mich von den Haltungen der ACT inspirieren und übersetze sie in kunsttherapeutische, kreative Arbeit.
Muss man künstlerische Erfahrung mitbringen?
Nein. Kunsttherapie ist kein Kunstunterricht. Es geht nicht um Können oder ästhetische Ergebnisse, sondern um den Prozess selbst: das Entstehen, das Gestalten, das Wahrnehmen. Neugier reicht.
Kann ich Kunsttherapie parallel zu einer Psychotherapie nutzen?
Ja. Eine parallele Begleitung ist in vielen Fällen sinnvoll. Mit Ihrem Einverständnis und im Rahmen der datenschutzrechtlichen Möglichkeiten stimme ich mich gerne mit Ihrer Psychotherapeutin oder Ihrem Psychotherapeuten, Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
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