Künstlerisch das Jahr verabschieden: Warum die Rauhnächte eine Einladung an dich selbst sind.
Wenn ein Jahr zu Ende geht, entsteht oft dieser besondere Zwischenraum: Das Alte ist noch nicht ganz vergangen, das Neue noch nicht wirklich da. Draußen werden die Tage stiller. Und vielleicht wird auch in uns etwas leiser, zumindest für einen Moment.
Was sind die Rauhnächte eigentlich?
Als Rauhnächte wird traditionell die Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar bezeichnet, zwölf Nächte, die in vielen alpinen und germanischen Volksbräuchen als besondere Schwelle zwischen den Jahren gelten. Es handelt sich um eine alte europäische Tradition, die lange Zeit in Vergessenheit geraten war und die gerade in den letzten Jahren spürbar wieder auflebt, viele Menschen suchen neu nach Ritualen, die den Jahreswechsel bewusster begleiten als ein einfacher Kalendersprung. Der Überlieferung nach war diese Zeit außerhalb des gewohnten Kalenders angesiedelt, eine Phase des Innehaltens, des Rückblicks und der Vorbereitung auf das Kommende.
Du musst diesen Hintergrund nicht kennen oder an eine bestimmte Tradition glauben, um etwas mit den Rauhnächten anfangen zu können. Für mich spielt dabei auch eine Rolle, dass Spiritualität, im weitesten Sinne verstanden als Verbindung zu etwas, das über den Alltag hinausweist, für viele Menschen ein wichtiger Pfeiler ihres seelischen Wohlbefindens ist. Das muss keine religiöse oder esoterische Praxis sein, es kann auch einfach die bewusste Gestaltung von Übergängen und Ritualen im eigenen Leben sein. Die Rauhnächte bieten dafür einen Rahmen, den du ganz für dich selbst füllen kannst.
Wenn Worte nicht ausreichen
Wir versuchen oft, ein Jahr mit Gedanken und Worten zu ordnen: Was ist gelungen, was war schwierig, was habe ich gelernt? Doch manches lässt sich nicht sofort in einen klaren Satz bringen. Gefühle können widersprüchlich sein, Erinnerungen tauchen eher als Bild, Farbe oder Körperempfindung auf als als fertige Geschichte. Hier kann künstlerisches Gestalten einen anderen Zugang eröffnen: Ein Blatt Papier, eine Farbe, eine Linie müssen nichts beweisen. Es geht nicht darum, ein „schönes” Bild zu machen, sondern dem eigenen Erleben Aufmerksamkeit zu schenken.
Wie aus Instagram-Postings ein Buch wurde
Diese Einladung begleitet mich selbst schon seit einigen Jahren. 2018 habe ich zum ersten Mal die Rauhnächte kreativ auf Instagram begleitet, noch ganz unbeschwert und ohne großen Plan. 2019 habe ich das Konzept verfeinert und für jeden Tag einen eigenen Impuls gepostet. Aus diesen täglichen Postings ist mit der Zeit ein Buch geworden: Im Winter 2021 ist „Rauhnächte, eine kreative Reise zu dir selbst” in erster Auflage erschienen, 2022 folgte die zweite, 2023 die dritte, aktualisierte Auflage.
Warum das Buch gerade als Begleitung für dich allein so besonders ist
Die Rauhnächte sind oft eine stille, eher introspektive Zeit, viele verbringen sie bewusst zurückgezogen statt in Gruppen oder Workshops. Genau dafür ist das Buch gedacht: Es führt dich Tag für Tag durch eigene Impulse, ohne dass du dafür einen Kurs buchen, einen Termin einhalten oder dich vor anderen erklären musst. Du entscheidest selbst, wann du dir die Zeit nimmst, wie lange du bei einem Impuls bleibst und was du für dich behältst. Diese Mischung aus klarer Struktur und völliger Freiheit im eigenen Tempo macht es für mich zu einem besonderen Format: genug Führung, um nicht vor dem leeren Blatt zu stehen, und genug Freiraum, damit es wirklich deine eigene Reise bleibt und keine vorgegebene.
Ein bewusster Abschied muss nicht perfekt sein
Ein künstlerischer Jahresabschluss ist keine Prüfung und keine To-do-Liste. Du musst nicht alles verstehen, abschließen oder loslassen. Manchmal ist es schon genug, dir Zeit zu nehmen und wahrzunehmen, was da ist. Du könntest dich zum Beispiel fragen: Welches Bild steht für mein vergangenes Jahr? Welche Farbe passt zu dem, was ich bewahren möchte? Nimm, was du gerade zur Hand hast, Papier und Stifte reichen, und beginne ohne festes Ziel.
Kreatives Gestalten ersetzt keine Therapie. Gerade beim Rückblick auf ein Jahr können auch schwierigere oder belastende Themen auftauchen. Wenn das bei dir passiert und dich mehr beschäftigt, als du allein auffangen kannst, ist es gut und richtig, dir
professionelle Unterstützung zu suchen, etwa bei einer Therapeutin oder einem Therapeuten deines Vertrauens. Das Buch kann ein achtsamer, persönlicher Weg sein, sich mit dem eigenen Erleben auseinanderzusetzen, es ist aber kein Ersatz dafür.
Eine kreative Reise zu dir selbst
Auch in der dritten Auflage, und auch Jahre nach der ersten Postingreihe auf Instagram, bleibt die Einladung aktuell: dir selbst mit Neugier zu begegnen und den Jahreswechsel nicht nur als Datum, sondern als persönlichen Übergang zu erleben.





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